Poidlmann ist der Hausname meines Hauses in der Seestraße 77 in Schörfling. Jeder sagt aber seit Jahrzehnten „Ranch“ dazu.

Das Bauernhaus hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Die erste Erwähnung des Hauses gab es im 18. Jhd. Wir fanden beim Umbau des jetzigen Hauses einen alten Holzbalken mit der Jahreszahl 1884 eingeschnitzt. Aus Überlieferungen weiß ich, dass das Haus ursprünglich am See gestanden ist. Was genau dazu geführt hat, dass das Haus nun an der jetzigen Stelle aufgebaut wurde kann ich nicht genau sagen.

Meine Urgroßeltern Gallus und Anna Schobesberger bauten das Haus in ein kleines „Sacherl“ um, bei dem ein Teil des Hauses aus Holz war und der andere aus Stein gemauert. Das gesamte Grundstück hatte damals wie heute eine Größe von rund einem Hektar. Das reichte grade mal aus um zwei Kühe und zwei drei Schweine und einige Hühner zu halten. Das genügte grade mal zum Leben. Mein Urgroßvater arbeitete im Wald als Waldarbeiter. Meine Urgroßmutter strickte und verkaufte Hausschlapfen und verkaufte diese und die Früchte aus ihrem Garten am Wochenmarkt in Gmunden. Dazu wanderte Sie in der Früh von Schörfling über den Häferlberg/Gahberg/Hongar bis nach Gmunden und wieder zurück.

Als mein Großvater Josef Schobesberger dann das Haus übernahm, baute er 1934 vor dem alten Bauernsacherl ein moderneres Haus aus Ziegelsteinen. Dieses Gebäude steht heute noch und ist mein hauptsächlicher Wohnbereich. Hier wohnten meine Großeltern viele Jahre, bis Sie dann an der Bundesstraße das Haus bauten das jetzt der Familie Haller gehört.

Mein Vater baute aus VOEST-Schlacke einen Trakt zu Ranch dazu, in der er seine „Tischlerwerkstatt“ errichtete.

Als mein Vater dann Anfang der 50iger Jahre das Haus von meinem Großvater übernahm, plante er eine Frühstückspension zu bauen. Gemeinsam mit meiner Mutter errichtete er einen großen Rohbau, der später mal eine Frühstückspension hätte werden sollen. Die alten Häuser blieben noch stehen, hätte später aber dem weiteren Ausbau des Rohbaus weichen sollen. Dazu kam es allerdings nicht, denn meine Eltern begannen Anfang der 60iger Jahre mit einem Taxi- und Omnibusunternehmen und alles Geld floß in die Autobusse.

Die Autobusse wurden mehr und mehr. So war es dann auch notwendig, die Busse selber zu warten. Mein Vater baute kurzerhand aus Welleternit und Holz eine Werkstatt. Zuerst eine Halle, dann noch eine zweite dazu. Die Ranch verfiel derweilen immer mehr. Die Zimmer des alten Bauernhauses wurden nur noch im Sommer von Sommerfrischlern bewohnt, die den ganzen Sommer hier blieben. Der Rohbau verfiel zusehends. Die Plastikplanen, die den Regen abhalten sollten verwitterten immer mehr. Wasser drang in den Rohbau ein und so verfiel das Projekt in eine Ruine. Was kommen musste kam auch. Die Behörde erließ einen Bescheid zum Abbruch der Werkstatt, die natürlich illegal gebaut wurde. Mitten in einem sensiblen Naturschutzbereich darf natürlich so ein Schandfleck nicht stehen. Mein Vater kaufte ein Grundstück in Schörfling im Industriegelände und baute darauf die „neue Werkstatt“. Die alten Welleternithallen wurden abgetragen. Als ich dann an die Reihe kam und Besitzer der „Ranch“, so wie alle Busfahrer das Grundstück „Poidlmann“ nannten, hatte ich viel zu tun. Das gesamte Gebäude war verfallen. Der Rohbau war nicht mehr geeignet zum Ausbau, weil er völlig erodiert war und außerdem mit den anderen Gebäuden überhaupt nicht harmonierte. Nach langem hin- und her und vielen Planungen entschied ich mich, den Rohbau zu verkleinern und in die zwei anderen Häuser zu integrieren. Ein Plan und sogar ein Modell wurden erstellt. Das Geld für einen derartigen Umbau hatte ich damals nicht, aber die Motivation aus dem häßlichen Entlein einen stolzen Schwan zu machen. Durch den Verkauf der Werkstatt blieb dann doch ein wenig Geld übrig, um damit den großen Umbau zu beginnen. Mittlerweile wohnte ich selber schon in dem Haus. Einige Räume waren durchaus schon bewohnbar, aber das ganze Drumherum war natürlich noch nicht ansehnlich. Ich nahm Kredite auf und baute weiter an meiner Ranch. Mein Vater half mir sehr viel beim Umbau, zumal er ein handwerkliches Genie war. Als gelernter Zimmermann half er mir beim Dachumbau, aber auch bei vielen Schalungsarbeiten. Ohne meinen Vater wäre die Ranch nicht das was sie heute ist!

Der Umbau 2016 war das vorerst letzte Projekt. Dabei baute ich noch einen Teil des Dachgeschosses aus und sanierte Baufehler die wir beim ersten Umbau begangen hatten.

Seit 1996 arbeite ich an der Ranch und diese Arbeit wird nie zu Ende gehen, denn ein Haus in dieser Größe braucht viel Pflege. Alle Kredite sind zurückbezahlt und das Grundbuch „hat eine weiße Weste“. Jetzt bin ich stolz, wenn ich vor meinem „Schönbrunngelben Haus“ stehe und auf den Attersee blicke. Nun hoffe ich, dass die nächste Generation weiter an Poidlmann und an die Ranch glaubt.